Zweifeln oder Abwägen

Zweifeln oder Abwägen – was ist der Unterschied?

Zweifeln oder Abwägen – was ist der Unterschied?

Ich bin selbsterklärte Weltmeisterin in Zweifeln – oder im Abwägen – macht das einen Unterschied?

Im Grunde zweifle ich an allem. Vorneweg an mir selbst. Aber auch an Entscheidungen, am richtigen Weg, an Aussagen und Informationen, an so genannten wissenschaftlichen Erkenntnissen, an Wahrheiten, an meiner richtigen Einschätzung einer Situation u.v.m.

Kürzlich habe ich mit meinem Partner das Phänomen des Zweifelns diskutiert. Dabei haben wir die Sicht geteilt:

Das Zweifeln hat verschiedene Gesichter

Einerseits unterstützt es dabei, Standpunkte und Sichtweisen nochmals zu überprüfen. Es kann auch Ausdruck eines hohen Qualitätsanspruchs sein oder von gesunder Bescheidenheit und Selbstreflexion. Dadurch verhilft es zu Perspektivenwechseln, Meinungsänderungen und besseren Ergebnissen.

Oft hat es aber auch eine zersetzende, lähmende und energieraubende Wirkung. Dann nämlich, wenn wir nie zu einer Entscheidung kommen, weil uns immer wieder der Zweifel dazwischenfährt. Dann, wenn wir uns von ihm verunsichern und vom Handeln abhalten lassen. Und wenn wir einmal getroffene Entscheidungen gleich darauf wieder in Frage stellen, auf der Stelle treten und vermeintlich gar nicht entscheiden. ‹Vermeintlich› deshalb, weil wir auch mit einer Nicht-Entscheidung eine Entscheidung treffen: eine Entscheidung gegen das Handeln.

Wenig hilfreich ist es, dauerhaft im Zagen und Zaudern festzuhängen. Wir verlieren so den Glauben an uns selbst, verhindern segensreiche Erfahrungen, zersetzen unser Selbstvertrauen und landen im schlimmsten Fall in Frust und Resignation.

Die Vorteile verbinden

Als wir schliesslich die Licht- und die Schattenseiten des Zweifelns miteinander verbanden, schlug mein Partner den alternativen Begriff »Abwägen« vor. Dieses Wort eroberte mich sofort. Ich wiege etwas ab. Und tue das anhand einer selbst festgelegten Gewichtung. Es gibt kein Richtig und kein Falsch. Nur ein Anders. Ich selbst entscheide, was ich miteinander vergleiche und wie ich es gegeneinander aufwiege.

Das Bild einer Balken-Waage erschien vor meinem inneren Auge und ich freute mich. Denn beide Seiten einer solchen Waage sind gleichwertig. Ein stimmiges Gewichtsverhältnis, ein Gleichgewicht kann ich auf ganz unterschiedliche Arten erhalten:

Ich kann einen ausgewogenen Stand erreichen, indem ich in die eine Schale eine winzige Blei-Kugel lege und in die andere eine grosse Handvoll Watte. Ich kann sehr unterschiedliche, aber in Bezug auf ihr Verhältnis von Volumen zu Gewicht (Dichte) gleiche Materialien in die Schalen legen, und so ein ausgewogenes Verhältnis herstellen. Oder ich kann ein Ungleichgewicht durch ein Mehr auf der einen oder ein Weniger auf der anderen Seite ausgleichen.

Und natürlich kann ich ein Ungleichgewicht auch bewusst akzeptieren. Weil es für mich so stimmt. Der etwas schräg stehende Balken entspricht mir vielleicht. Oder er regt mich zu neuen Blickwinkeln an.

So oder so – Abwägen ist nun mein neues Zweifeln! Das Wort lässt mich in meiner Selbstverantwortung, lässt mich Prüfen, ohne mich zu schwächen. Es macht einen Unterschied.

Ich liebe es, Worten und ihrer Wirkung nachzuspüren. Das Nachdenken über die Wirkung dieser beiden Worte hat mir Klarheit und mich mehr in meine Kraft gebracht. So kann ich wählen, welche Worte ich nutzen und welche ich vermeiden möchte.

Welche Worte schwächen oder lähmen dich? Und durch welche kraftvolleren Alternativen könntest du sie ersetzen?

 

Was denkst du dazu? Ich freue mich auf deinen Kommentar!

2 Comments

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Samuelreply
31. Januar 2023 at 11:13

Im Wort Zweifeln klingt schon das Wort VerZweifeln an, mache ich was falsch oder richtig? – das kann Stress auslösen. Wenn ich vor einer Entscheidung die Zweifel wahrnehme und diese in ein Abwägen umwandle, geht der Stress raus und ich habe mehr Distanz und kann für mich richtiger und entschlossener wählen.

Kerstinreply
31. Januar 2023 at 11:17
– In reply to: Samuel

Eine wundervolle Sicht, lieber Samuel, kraftvoll und eigenmächtig! Das sehe ich genauso! Vielen Dank für deine Inspiration!

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